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Tallinn - früher Reval - ist eine malerische, alte Stadt mit engen Gassen, alten Kirchen und vielen Türmen und Toren: die Dicke Margarete und Kiek in de Kök, das Viru-Tor und der Lange Hermann laden ein zu einem Streifzug durch die Geschichte. Inmitten der Stadt liegt der Domberg mit der Oberstadt, die früher dem Adel und der Geistlichkeit vorbehalten war. Die alten Holzbau-ten wurden 1684 Opfer einer Brandkatastrophe und so stammen die meisten der jetzigen Gebäude aus jüngerer Zeit. Manche, wie die Alexander-Newski-Kathedrale, wurden erst zur Jahrhundertwende errichtet.

Der ursprüngliche Mittelpunkt der Oberstadt ist die Domkirche, wo zahlreiche Wappenepitaphe, das Kirchenregister zählt über 100, der früher an-sässigen Adelsgeschlechter zu sehen sind. Ein paar Schritte weiter eröffnet sich von einer Terrasse aus ein schöner Blick über die Dächer der Altstadt. Vom Domberg wandert der Besucher auf steilem oder sanft abfallendem Pflaster hinab in die Unterstadt, im Mittelalter die Stadt der Handwerker und Händler. Noch immer ist einer der besten Reiseführer Werner Bergengruens Büchlein "Der Tod von Reval". Und nicht nur wegen der Gelage des Herzogs von Croy und seines unverweslichen Leichnams. Das vielschichtige Leben der alten Stadt, deren Häuser ja noch stehen, ersteht vor den Augen des Lesers.

Nicht zuletzt dank der günstigen geographischen Lage der ehemaligen Hansestadt kam manch einer zu großem Wohlstand. Die Häuser der Kaufmannsvereinigungen, wie die Große Gilde, das Schwarzhäupterhaus und die Oleiste-Gilde sind steinerne Zeugen jener Zeit. Im Zentrum der Unterstadt liegt der Marktplatz mit dem mittelalterlichen Rathaus, in dem bereits im 13.Jhdt ein Stadtrat tagte. Bunte Häuser, aus der Zeit der frühen Gotik bis in unser Jahrhundert, Kirchen und zahlreiche Museen, muntere Märkte, kleine Läden und viele nette Restaurants ziehen heute den Besucher in ihren Bann und laden zum Bummeln und Verweilen ein.

War Tallinn eine Metropole des Handels, so liegt im Südosten, in der Stadt Tartu, dem alten Dorpat, das Zentrum der geistigen Bildung bis in die Gegenwart. 1632 gründete Gustav Adolph die Universität (2. Bild von oben), die bis heute die wichtigste im Lande geblieben ist. Im Westen Estlands konzentrierte sich die Macht im heute recht verschlafenen Städtchen Haapsalu und auf der Insel Saaremaa (siehe Saaremaa - Lahemaa).