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Im Norden Polens, südlich der Grenze zum Kaliningrader Gebiet, liegt Masuren, polnisch Mazury. Mehrere große und unzählige kleine Seen machen das Gebiet zu einem Paradies für Segler und Paddler. Die größeren Seen sind durch Kanäle verbunden, angelegt zu einer Zeit, als der Transport zu Wasser noch erhebliche Vorzüge hatte.
Heute sind im Sommer auf dem Wasser unzählige Segelboote unterwegs und die "Weiße Flotte" verbindet die Städte Angerburg/Wegorzewo, Lötzen/Gizycko, Nikolaiken/Mikolajki und Ruciane Nida. So erscheint dem Besucher heute die "große Wildnis am See", wie Marion Gräfin Dönhoff in ihren Erinnerungen Schloß Steinort/Stynort schildert, als recht zahm; eindrucksvoll wirkt jedoch die Allee von alten Eichen: was müssen sie alles gesehen haben!
Wer nach Masuren reist, sollte Zeit mitbringen. Die Straßen, beschattet durch alte Bäume, winden sich durch die oft hügelige Landschaft zwischen Seen und Wasserläufen von Ort zu Ort. Traktoren und Mähdrescher sind zur Erntezeit unterwegs und das Fahrrad ist hier ein notwendiges Verkehrsmittel. Auch Pferdefuhrwerke gehören noch zum alltäglichen Bild. Aber die Zeit ist nicht stehen geblieben. Vergleichsweise riesige LKWs verkehren vor allem auf der Straße zur litauischen Grenze, die man nicht nur als Fahrradfahrer gerne wieder verlässt.
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Aber abseits der Hauptstraßen dominiert die Natur und bietet dem Menschen Raum zur Erholung. Damit der Tierwelt genügend Rückzugsräume bleiben, besteht auf einigen Seen ein Lärmverbot. Naturschutzgebiete bieten auch Bibern und Wisenten ein Zuhause. Die Wiederansiedlung unterstützt dabei das landwirtschaftliche Versuchsgut Popielno nahe Nikolaiken, wo vor Jahrzehnten auch ein Programm zur Rückzüchtung des Tarpans, des früher hier lebenden Wald-Wildpferdes, begonnen wurde.
Heute werden hier die polnischen Koniks gezüchtet, die dem Tarpan in vielen Merkmalen ähnlich sind. Die Pferde leben in mehreren Herden auf der Halbinsel, die von Ruciane aus über eine Straße oder von Nikolaiken her über einen unbefestigten Fahrweg und eine Fähre zu erreichen ist. Wer will, kann das kleine Museum besuchen und an einer Führung durch das Gut teilnehmen. |