Die Kurische Nehrung

Die schmale Landzunge von fast 100 km Länge und kaum 4 km Breite ist eine ganz besondere Landschaft aus Wald, Dünen und Strand, mit kleinen oft heideartigen Wiesen dazwischen. Ihren Namen hat sie vom Fischervolk der Kuren erhalten, die der Ostseeküste entlang von Lettland bis nach Rossitten siedelten. Sehr gefürchtet waren einst die wandernden Sanddünen, haben doch die Sandmassen sieben Dörfer unter sich erstickt, langsam aber sicher. Die Menschen mußten sich an anderer Stelle ansiedeln. Mühsame Aufforstung hat diese Gefahr gebannt

Nidden aus der Vogelperspektive

Strand bei Nidden

Als Wilhelm von Humboldt 1809 auf der Kurischen Nehrung weilte, schrieb er über diese Landschaft an seine Frau Caroline: „...so merkwürdig, dass man sie ebenso wie Spanien oder Italien gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll.“ Ein junger Arzt, der 1937 nach Rossitten (heute Rybatschij) kam, schreibt in seinen Erinnerungen: „... Im Winter mussten die Praxisfahrten mit dem Schlitten gemacht werden. Bis Pillkoppen war es eine Halbtagesreise. Nach Nidden schon eine Tagesreise. Wenn es aber nach Preil, Perwelk oder gar nach Schwarzort ging, dann war ich volle zwei bis drei Tage unterwegs. Die Pferde wurden in Nidden gewechselt... Für Schwarzort wurden die Pferde in Perwelk abermals gewechselt. Die Kutscher wechselten natürlich jedes Mal auch, nur ich musste durchhalten. Natürlich war es in jedem Ort, durch die ich fuhr, bekannt, dass der Doktor kommt... “.

Kurenwimpel in Nidden

Weg zur Ostsee

Inzwischen zählt die Kurische Nehrung zum Weltkulturerbe. Einzig die Grenze - nun EU Außengrenze - zwischen dem russischen Süden und dem litauischen Norden ist ein störendes Element, mit Visum jedoch zu überwinden. Und das lohnt sich: dort, im russischen Teil der Nehrung, ist die Landschaft teilweise noch ursprünglicher geblieben. Vor allem beeindrucken die riesigen Wanderdünen. Nicht alles ist zugänglich in diesem Paradies; denn die Natur will und muss vor den Menschen bewahrt werden. Im August 2012 organisierten Segelflieger eine Gedenkveranstaltung in Rossitten/Rybatschij und auch ein Kurenkahn wurde nachgebaut. Vielleicht ist das Haff bald für den Bootsverkehr frei – das wäre eine herrliche Sache! Überlegen Sie, wann Sie reisen wollen: Wiesen und Dünen blühen im Mai und Juni, Badezeit ist ab Mitte Juli. Die Nachsaison bietet oft herrliches Spätsommerwetter mit einer oft noch erwärmten Ostsee. Wenn auch die Dünen an Höhe verlieren: dass ein Zauber der Landschaft geblieben ist, zeigen die vielen Besucher, die es immer wieder dort hinzieht.

Dünenlandschaft auf der Kurischen Nehrung

Elch im Unterholz

Reiseziele auf der Kurischen Nehrung

Nidden - Nida

Die Segler schätzten die starken Aufwinde über der Dünenlandschaft von Pillkoppen (heute Morskoe) südlich von Nidden, die Maler ließen sich von den Kontrasten in Farben und Linien und dem Fischerleben inspirieren. Für Maler aus Königsberg und Berlin galt das einsame Nidden am Dünenrand etwa seit 1880 als Geheimtipp. Der Gasthof Hermann Blode war Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen bis Sommer 1944. Und Thomas Mann sagt 1931 in einem Vortrag: „... Kennen Sie die Dünen bei List auf Sylt? Man muss sie sich verfünffacht denken, man glaubt, in der Sahara zu sein. Der Eindruck ist elementarisch und fast beklemmend ...“ Fasziniert von Nidden, ließ er dort ein Sommerhaus bauen (heute Museum). Viele Veranstaltungen im Thomas-Mann-Haus kreisen um seine Werke. An die Malerkolonie in Nidden erinnert das kleine, von Frau M. Ehlermann angelegte Blode-Museum neben Hotel Smilte.

Nidden Blick auf die große Düne

Strand bei Nidden

Nidden ist umrahmt von dem großen Dünengebiet „Litauische Sahara“ im Süden, von einer Waldkulisse im Westen und dem Kurischen Haff an der Ostseite. Sandige Pfade, die mitunter ein Elch quert, führen vom Ort über licht bewaldete Dünen zum langen Sandstrand. Heute ist Nidden der lebhafteste Ort auf der Nehrung. Viele alte Fischerhäuschen mit Blumengärten davor, hübsche Gartenlokale und mehrere kleine Museen erfreuen die Gäste. Die kurischen Totenbretter auf dem alten Friedhof sind frisch renoviert. Manche Grabmäler erzählen von Stürmen auf dem Kurischen Haff. Eine qualifizierte Ortsführung sollten Sie nicht versäumen - Sie erfahren dabei sehr viel über Vergangenheit und Gegenwart des Ortes! Ein besonderes Kulturdenkmal ist der von Eduardas Jonuszas original nachgebaute Kurenkahn „Kursis“. Eine Fahrt in der Abendsonne ist ein Muss und auch ein kleiner Beitrag zum Erhalt des schönen Schiffes.

Thomas Mann Haus, Nidden

Strand bei Nidden

Schwarzort - Joudkrante

Wo bald hinter dem Ostseestrand ein hoher, dichter Wald die sehr steilen Dünen und die tief eingeschnittenen Schluchten dazwischen bedeckt, liegt an dessen Ostseite Juodkrante/ Schwarzort. Als 1855 zufällig ein bedeutender Bernsteinschatz gehoben wurde, erfuhr der Fischerort einen großen Aufschwung: Häuschen an Häuschen entstand dem Haff entlang für die Mitarbeiter von Stantien & Becker. Heute zeichnet sich Juodkrante durch eine weitläufige Uferpromenade mit modernen Skulpturen aus. Der Hexenberg mit interessanten Figuren aus Eichenholz zeigt die Märchenwelt Litauens und lockt Jung und Alt zu einem Besuch. In der Nähe finden Sie einen kleinen Andenkenladen mit den besten Büchern zur Nehrung.

Schwarzort, Promenade am Haff

Schwarzort, Kirche

Die hier alljährlich gefeierte Tag-und Nachgleiche im Herbst erlebte Herr St. so: „Am 22. Sept. 2012, wurde ich noch einmal zu einer für das Baltikum traditionellen Veranstaltung eingeladen. ...In Juodkranté hatten Künstler im Hafenbecken 3 hohe ... Holz-Skulpturen geschaffen, die nach Sonnenuntergang angezündet und lodernd abgebrannt werden sollten ... die heidnisch anmutende Zeremonie im Spiel zwischen kalter Dunkelheit und hellem Feuerschein bei eigenartigen Gesängen hat mich ziemlich berührt...“ Wer in Nidden wohnt, kann eine schöne Tour mit dem Fahrrad auf dem Radweg nach Schwarzort machen: Planen Sie aber einen ganzen Tag ein - die einfache Strecke beträgt etwa 30 km.

 

Weitere Impressionen von der Kurischen Nehrung