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Litauen war schon ein Fürstenstaat, als der Deutsche Orden nach Preußen (dem späteren Ostpreußen) kam. Er konnte in harten Auseinandersetzungen mit dem Orden seine Selbständigkeit erhalten. Seit dem Ende des 14. Jh. bildete Litauen mit Polen ein christliches Großreich, das von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte. Seine nördliche Hauptstadt, Vilnius, Sitz der litauischen Fürsten, war bald eine große, blühende Handelsstadt geworden, mit weitem Hinterland.
Als 1569 Litauen mit Polen administrativ vereinigt wurde, verlor Vilnius an wirtschaftspolitischer Bedeutung und wurde polonisiert, vor allem die 1579 gegründete Universität. Aus westeuro-päischen Ländern ausgewiesen, wuchs die Judenheit der Stadt, stellte bald den weitaus größten Bevölkerungsanteil und deckte den Bedarf an Handwerkern in allen Sparten. Thora-schulen erblühten und die in Wilna gedruckten Talmud-Bände gingen in alle Welt. Man sprach polnisch, vor allem aber - bis zum Ende des osteuropäischen Judentums - jiddisch. Als Ende des 18.Jahrhunderts das Banner des russ. Zaren aufgepflanzt wurde, gesellten sich zu den zahlreichen barocken Kirchen viele orthodoxe Kuppelbauten. Von der Backsteingotik bis zum Klassizismus ist heute alles zu finden.
Von 1918 bis 1940 erlebte Litauen seine "Wiedergeburt", in 22 Jahren nationaler Selb-ständigkeit, allerdings ohne Vilnius. Hauptstadt war Kaunas, dessen Altstadt mit der Burgruine zwischen Neris und Memelstrom liegt, eine Stadt mit behäbigen Straßen und mehreren Museen, vor allem zu nennen das Ciurlionis-Museum und das Zilinkas-Museum.
Das Teufelsmuseum gibt einen Einblick in die litauische Märchen- und Sagenwelt. Heute leidet Kaunas unter der Abwanderung von Menschen, Wissenschaft und Geld nach Vilnius, dessen inzwischen gut renovierte Altstadt zum "Weltkulturerbe der Menschheit" gehört. Der alte Fürstensitz Trakai, prächtig in einem großen See gelegen, lockt viele Besucher an. Man sollte sich schon einen vollen Tag Zeit nehmen, um die Landschaft und das Städtchen zu erleben. Der kleine Tempel der Karäer, die Fürst Vytautas als Leibwache hier einst ansiedelte, ist eine religionskundliche Seltenheit.
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